Electric Orpheus Academy

Electric Orpheus Academy
Sommerprogramm 2021
6. - 8. August INSIDE OUT
21. August SPRACHE UND MEDIUM

Alte Sägewerkshalle, Heumühle, Neustift 16
3911 Rappottenstein, Straßenkilometer 66.6

Programm 2021 PDF download

Wie auch in den vergangenen Jahren steht elektroakustische Musik im Zentrum des Programmes - autonome elektroakustische Musik, die einen bewussten Umgang mit dem Medium, mit Lautsprechern und mit dem realen Raum pflegt. 'Fixed media music' (früher Komposition auf Tonband, heute von digitalen Speichermedien), aber auch Live-Elektronik sowie Kombination mit anderen Disziplinen wie Instrumentalmusik, Sprache, Video, Licht- und Raumgestaltung.
Eine ihrem Wesen nach 'mediale' Kunstform trifft auf den realen Raum, muss sich in diesem orchestral entfalten und kann so erst mit anderen raum-zeitlichen Aspekten in Austausch treten. Diese Haltung ist auch im Titel des dreitägigen Festivals, INSIDE OUT, knapp auf den Punkt gebracht.

Das Lautsprecherorchester von Günther Rabl - erweitert durch Leihgaben von Gilbert Handler, Wolfgang Musil und Richard Bruzek - steht für die Aufführungen an vier Abenden zur Verfügung. Es ist das eine Sammlung von Lautsprechern unterschiedlicher Charakteristik, darunter legendäre Modelle, wie die Kugelboxen, die eigens für die EXPO '92 in Sevilla angefertigt wurden, oder das große Basshorn für extrem tiefe Frequenzen.

Künstlerische Leitung: Günther Rabl
Technische Leitung: Wolfgang Musil
Licht, Assistenz: Richard Bruzek, Vinzenz Schwab
Organisation: Alexandra Sommerfeld, Günther Rabl

FR 6. August 2021, 20h
INSIDE OUT - Teil 1

Günther Rabl MITE E-LITE
Hommage an einen Stromgenerator, 12-kanal Fassung
Kompositionsauftrag von IEM Graz 2001, Klangregie Günther Rabl
Stand voriges Jahr der Klang eines Konzertflügels im Zentrum der Eröffnung, so ist es diesmal ein nicht weniger bekannter Klang - der eines Motors. Die Aufnahme eines drei-minütigen Prozesses (das Starten, das Anlaufen, die ersten Fehlzündungen und schliesslich das eigenständige Absterben des Motors) bildet die Grundlage der ganzen Komposition. Sowohl der Klang selbst, als auch seine rhythmischen und harmonischen Strukturen finden darin Verwendung.

Chieko Mori / Vinzenz Schwab PERFORMANCE
Chieko Mori Bass-Koto, Vinzenz Schwab Live-Elektronik
Geboren in Japan, lernte Chieko Mori schon mit vier Jahren traditionellen Koto. Nach ihrem Studium an der Keio Universität in Tokyo, studierte sie in London und New York, wo sie auch 2005 ihr erstes Solo-Album auf John Zorns Label Tzadik herausbrachte. Heute leitet sie eine Koto-Schule in Tokyo. 2012 war sie, zusammen mit ihrem Mann, dem Komponisten Oliver Grimm, Artist in Residence bei den Meisterkursen der Electric Orpheus Academy.

Volkmar Klien ZUM GROSSEN GANZEN
Elektroakustische Komposition, 18-kanal, 2012, Klangregie Volkmar Klien
Seit 2017 ist Volkmar Klien Professor für Komposition und Direktor des Instituts für Komposition, Dirigieren und Computermusik an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz. In zahlreichen Projekten zusammen mit seinem Bruder, dem Choreographen und Satiriker Michael Klien, lotet er Zusammenhänge zwischen Klang, Körper, Bewegung, Präsenz und menschlicher Kommunikation aus.
"Musik ist der Wegweiser in jenem Augenblick, in dem sich - in Kommunion mit Anderen - Ewigkeit ereignet."

Martin Sierek AMAZONAS
"Freies Tastenspiel unter verschiedenen gegebenen Umständen", Martin Sierek Keyboards und elektronische Orgel
Der Organist und Musikwissenschaftler Martin Sierek ist seit seinem ersten Auftreten in den 1980ern eine eigenwillige Erscheinung in der österreichischen Musikszene zwischen Computermusik und Kirchenmusik. Nach seinem vielbeachtetetn Auftritt im vorigen Sommer kommt er diesmal mit erweiterter Ausrüstung, mit Orgelbank und Pedalen, um seinem Thema gerecht zu werden: ein Fluss, der so mächtig ist, dass er zu verschiedenen Zeiten sogar seine Richtung ändert.

Ab ca. 22h: Aus dem Vermächtnis des Synthesizervirtuosen Dieter Feichtner
direct recordings 1978-97, Dieter Feichtner Synthesizer-Netzwerke
Es ist schon Tradition, dass im Nachtprogramm großteils unveröffentlichtes Material aus dem über 100-stündigen Nachlass von Dieter Feichtner aufgelegt wird.

SA 7. August 2021, 20h
INSIDE OUT - Teil 2

Günther Rabl MÄRCHEN
Tonbandkomposition, stereo, 1977, Klangregie Günther Rabl
Nach dem oppulenten und mit Material geradezu überhäuften Erstlingswerk MUGL ENTSTEIGT, das in Paris euphorisch aufgenommen wurde, ist MÄRCHEN eine extreme Reduktion im Klangmaterial: ausschließlich die Töne einer 'Nagelgeige' - abgestimmte Stahlstifte, nichtsdestoweniger eine bunte Klanglandschaft, die erzählerisch in tiefe, märchenhafte Schichten führt.

Toshi Ichiyanagi MUSIC FOR TINGUELY
Tonbandkomposition, mono, 1963
Toshi Ichiyanagi (*1933, Kobe, Japan) studierte Musik in Tokyo und New York, wo er 1952-61 auch lebte. Er war in der Zeit mit Yoko Ono verheiratet und arbeitete mit vielen Künstlern/innen der New Yorker Avantgarde zusammen. Bei einer Ausstellung in Japan lernte er die kinetischen Skulpturen von Jean Tinguely kennen, Skulpturen, die sich bewegen und dabei jede Menge Geräusch erzeugen. Aus Aufnahmen davon komponierte er dieses Stück, das hier in Östterreich vermutlich zum erstenmal zu hören ist.

Oliver Grimm MUTSUMARU
Elektroakustische Musik, 3-kanal, 2021, Uraufführung
Kompositionsauftrag von NÖ-Kultur, Klangregie Oliver Grimm
Ebenfalls in Japan lebt und arbeitetet der aus Österreich stammende Komponist Oliver Grimm. In seiner neuesten Komposition MUTSUMARU wird den Geräuschen einer Stadt - dem Verkehr, ihren Menschen, der Konstruktion und Destruktion von Bauten - der Rhythmus des Atems gegenübergestellt.

Vinzenz Schwab QUENDELZYKLUS
Elektroakustische Musik, 10-kanal, 2021, Uraufführung
Zwei Alben mit Computermusik hat Vinzenz Schwab bereits veröffentlicht, ein drittes ist längst fällig. Daneben arbeitet er viel für den Film. Anlässlich der DIAGONALE 2021 wurde er mit dem Preis für das beste Sounddesign ausgezeichnet.
In diesem Stück geht er von Instrumentalklängen aus, die nach und nach in andere Dimensionen transformiert werden.

Manuel Knapp / Günther Rabl COINCIDENCE
Manuel Knapp Video, Günther Rabl Musik, Uraufführung
Vorigen Sommer hat Manuel Knapp mit seinem 'harsh noise' einen lautstarken Abschluss hingelegt. Gänzlich anders sind seine Videoarbeiten: streng, geometrisch, schwarz-weiß. Eine Trilogie auf der Grundlage von Quadrat, Kreis, Dreieck.
Schon die frühen Stummfilm- und Tonfilmregisseure wiesen darauf hin, dass der Zeitfluss der Bildabläufe und der akustische Zeitfluss nicht kommensurabel sind. Dementsprechend gibt es hier auch keine Synchronisation von Bild und Ton in einem illusionistischen Sinn. Es ist aber auch kein belangloses Nebeneinander. Koinzidenz ist das Stichwort: Licht und Klang treffen im realen Raum aufeinander.

Ab ca. 22h: Aus dem Vermächtnis des Synthesizervirtuosen Dieter Feichtner

SO 8. August 2021, 20h
INSIDE OUT - Teil 3

François Bayle TROIS RÊVES D'OISEAU
(Drei Vogelträume) Tonbandkomposition, stereo 1969/71
Geboren 1932 in Madagaskar, gründete und leitete François Bayle in Paris die GRM, eine Abteilung von Radio France, in der über Jahrzehnte mehr elektroakustische Kompositionen geschaffen und aufgeführt wurden, als in jeder anderen Insitution.
Für diesen Abend hat er uns Trois Rêves d'Oiseau zur Verfügung gestellt, ein humorvolles Werk in drei Teilen (spöttisch / traurig / Zen), das in ein Solo für einen brasilianischen Uirapuru mündet.

Christian Tschinkel DANSE ACOUSMONAUTIQUE
Elektroakustische Musik, stereo, 2021, Klangregie Christian Tschinkel
Seit jeher dem 'outer space' verbunden, hat Christian Tschinkel aus Akusmatik und Kosmonautik die 'Akusmonautik' geschaffen, eine Herangehensweise an elektronische Klänge, die es ihm erlaubt in entfernte Regionen vorzustoßen. Neben Konzerten, die er zumeist selber organisiert, arbeitet er auch zusammen mit Gilbert Handler für die musikalischen Aufführungen von Hermann Nitsch.

Martin Gut K.N.O.T
"Meine Seele wird aus dem Heim entlassen", Martin Gut Komposition, Scheit, Zuspielung - Uraufführung
Martin Gut ist Komponist und Gitarrist. Sein Hauptinstrument ist aber das Scheit - ein elektrisch verstärktes Monochord, das es ihm erlaubt, auch mit höheren Obertonstrukturen zu spielen. In seinen Kompositionen verbindet er traditionelle Ansätze mit mikrotonalen Erkundungen.

Vorschau auf SA 21. August 2021, 20h
DER BAUCH oder EINES TOTEN MORGENS
Variationen über einen Text und ein Gitarrensolo von Werner Schwab

Werner Schwab: Stimme, E-Gitarre (Originalaufnahmen aus dem Nachlass)
Günther Rabl: Komposition, Klangregie

"Im Winter 2010/11 hat mir Vinzenz Schwab den von ihm digitalisierten Nachlass seines Vaters, des Dramatikers Werner Schwab (1958-94) zum Anhören gegeben. Besonders zwei Aufnahmen haben meine Aufmerksamkeit erregt: ein unveröffentlichter Text, den der Autor Anfang der Neunzigerjahre selber auf Cassette gesprochen hat (mit dem Titel 'Der Bauch'); und ein Gitarrensolo aus den Siebzigerjahren, ebenfalls auf Cassette. Beide Aufnahmen sind fast auf die Sekunde genau gleich lang.
Der Text ist eine Art Epitaph, oder vielleicht eher eine 'Standpauke' an jemanden, der eines unsinnigen Todes stirbt, nachdem er im Heisshunger eine ganze Stange "Zwiebelleberstreichwurst" verschlungen hat. Eine fulminante Tirade über das Verhältnis des Bauches zum "wütend verdauenden Kopf", von Werner Schwab selber ruhig und kunstlos gelesen und auf Cassette aufgenommen.
Das Gitarrensolo dagegen ist ein Bündel an Intensität, alles andere als virtuos, wüst und verzerrt. Der Kontrast dieser beiden, in jeder Hinsicht so unterschiedlichen Ausgangsmaterialien schafft vom ersten Moment an eine Eigendynamik der musikalischen Auseinandersetzung." G.R.

TERRITORIEN.FLIMMERN

Alexandra Sommerfeld: Konzept, Performance
Daniela Seel: Texte
Daniel Lercher: Komposition, Live-Elektronik
Uraufführung, Kompositionsförderung von MA7 Wien

"Ausgehend von einer Recherche über deutschsprachige Autorinnen, die eine Art von körperlichem Schreiben entwickelt haben, bin ich auf Lyrik gestoßen, die förmlich danach schreit, performativ umgesetzt zu werden. Sprache, die im Raum Gestalt annimmt und für den Zuschauer, Zuhörer sinnlich erfahrbar wird – das ist seit vielen Jahren meine Passion.
Für dieses Projekt wählte ich Gedichte, Texte aus, die die Grenz-Erfahrung des Körpers im weitesten Sinne thematisieren. Wo und wie lassen wir die Welt auf uns einwirken, wirken wir auf sie ein, verschwimmen die Grenzen … Mit Gedanken, Worten, dem Klang der Sprache berühren im wahrsten Sinne. Dazu habe ich den Komponisten, Musiker, Live-Elektroniker Daniel Lercher eingeladen, gemeinsam mit mir neue Möglichkeiten der Umsetzung von Sprache im Raum auszuloten." A.S.

Technische Leitung, Ton & Licht: Klaus Gstettner, Karl Börner, Gernot Sommerfeld

 

Eintritt frei, es gelten die aktuellen Covid-Bestimmungen
Reservierung erbeten - a.sommerfeld@gmx.at

Gefördert von: NÖ-Kultur, BM f.Kunst&Kultur, SKE-Fond, Gemeinde Rappottenstein

 

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