Electric Orpheus Academy

Liebe Freundinnen und Freunde der elektrischen Muse,

seit Dezember ist ein plugin auf dem Markt, in dem einige von mir entwickelte Routinen auch in realtime verfügbar sind:
SPEXX - https://www.re-compose.com/customer-support-for-recompose-products.html#file-download-spexx
Ansätze dazu gab es ja bereits in den letzten 10 Jahren, hauptsächlich max externals, aber auch ein paar rudimentäre vst plugins.
Wer mit AMP arbeitet, kennt die routine als 'greenspec': http://www.canto-crudo.at/electric-orpheus-academy/stb_nr_13_de.htm
Die Basis ist ein spektrales freeze, wobei alle Frequenzen, die je am input anliegen, 'bis in alle Ewigkeit' stehen bleiben. Ein Effekt, der vor allem in der live-Elektronik sehr beliebt ist. Das freeze ist nicht aus loops zusammengesetzt, hat einen natürlichen Puls und ist auch granular so sauber wie möglich.
decay
Dem kann man mit einem kontinuierlichen decay entgegenarbeiten und hat gleich einmal einen Hall, der alle Frequenzen gleich behandelt, einstellbar von 0.3sec bis 120sec bzw. unendlich (ausgeschaltet).
damping
Mit einem optionalen damping-Faktor verschwinden die höheren Frequenzanteile mehr oder weniger schnell. Mit zwei zusätzlichen Parametern (locut, hicut) lässt sich diese Dämpfung auf ein beliebiges Frequenzband einengen.
feaze
Das Spektrum wird kontinuierlich auf seine markantesten Frequenzen reduziert, 'ausgedünnt'.
focus
Das Spektrum wird kontinuierlich auf seine stärkste Frequenz fokussiert.

In einer zweiten Stufe kann dieses freeze weiter transformiert werden.
pitch
Natürlich zunächst in der Tonhöhe. Ein 'Hall' der zum originalen auslösenden Klang beliebig transponiert werden kann.
mirr
Spiegelung an einer beliebig einstellbaren Frequenz. Diese Spiegleung ist mitnichten linear ! (Das ginge auch mit einem modifizierten frequency shifter). Alle spektralen Intervalle und somit auch alle Melodie- oder Akkordintervalle werden proportional gespiegelt.
slope
Kontinuierlich einstellbare Streckung oder Stauchung aller Intervalle um ein fixes Zentrum. User, die intuitive an die Sache herangehen, haben das noch nicht richtig entdeckt. Vom kompositorischen Standpunkt ist das eine wertvolle, bereichernde Funktion. Mit einem Faktor 2 beispielsweise werden alle Intervalle verdoppelt (genaugenommen 'quadriert'): aus jedem Halbton wird ein Ganztom, aus jedem Ganzton eine gr. Terz .... der Typus einer einfachen linearen Schwingung (Saite) wird zum Typus einer Biegeschwingung (Stange). Umgekehrt, mit einem Faktor 0.5 wird er zum Typus einer quadratischen Fläche (Platte oder Membran), aus jedem Ganzton wird ein Halbton, aus jedem Halbton ein Viertelton - melodisch wie harmonisch. (Dazwischen gibt es eine Menge 'magic numbers' mit speziellen harmonischen Eigenschaften).

Von dem plugin gibt es meines Wissens auch eine Testversion. Wer's kaufen will, mag beruhigt sein: ich bin mit einem kleinen Prozentsatz beteiligt ....

Wie geht es weiter ?
Ob SPEXX weiter ausgebaut wird, oder auch noch andere meiner Routinen adaptiert werden (zur Debatte stehen: Sättigungen/Verzerrer, complex audio oder das Saitenmodell), hängt nicht zuletzt davon ab, wie das Produkt am Markt angenommen wird. (Zusätzlich zu meinen funktionellen Vorgaben stecken da Monate an Arbeit drinnen, damit es in - fast - jedem Kontext funktioniert).
In AMP hab ich derweilen 'specwarp' am Prüfstand. Die Methode ist hier umgekehrt: Es gibt zunächst die reinen spektralen Operationen (dutzende - mit jeweils raffinierten Korrekturen). 'freeze' ist dann optional zuschaltbar.
Von den spektralen Operationen, worunter auch Standards wie Filter und spektraler compressor/expander sind, möcht ich nur ein paar hervorheben:
curly
Das Prinzip der 'präparierten Saite' (ein punktuelles Gewicht an einer Stelle) ist auf das gesamte Spektrum angewendet. Ein 'präpariertes Spektrum', sozusagen.
fog
Eine spektrale Unschärfe (nicht zu verwechseln mit einer zeitlichen Verwischung 'blur'). Bei extremer Einstellung ist das ein Rauschen, das nur mehr die Kontur des originalen Spektrums nachvollzieht.
linearize / proportionalize
Da werden temperierte Intervalle in lineare Obertonreihen umgedeutet, und umgekehrt.
........

Noch ein Hinweis:
ELECTRIC ORPHEUS ACADEMY macht ein Jahr Pause.
Es gibt heuer weder Symposium/Workshop noch Konzertveranstaltungen. Wie es 2020 weitergeht, wird man sehen. Das hängt auch davon ab, ob sich jemand findet, der/die eine professionelle Organisation übernimmt - mit Eigenverantwortung.
Was hiermit ausgestreut sei ...

akueto !
Günther Rabl