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Günther Rabl
TRIO I
tape music, 8min, 3-channel, Neupölla 1978

While searching for the sounds of my imagination, in the mid-70s
I discovered in an old acoustic lesson book a method for preparing strings that would allow the creation of purposely unharmonious spectrums: a soft wire (the best is a piece of solder) is taken, twisted at a certain position around the string and is then lashed tight. When plucked or beat, the resulting sounds are partially known from piano preparations. When stroked with a bow, however, things look (and sound) very different. There are screeches, scrapes, growls and squawks – in many different vibrational modi that like to jump around, requiring full concentration to stay the course of a vibrational modus for even a single bow stroke. It sounds most similar to the so-called ‘multiphonics’ of brass instruments.
Consequently, I dealt with the discovered sound world in two ways. First of all, I learned how to handle it on a contrabass and made use of that in various concerts. Secondly, I studied the laws and properties of spectral changes in order to use them systematically, and also developed a formula for approaching the alteration of partial tones through such a punctual preparation.

In the course of this work, the serial composition TRIO I was created. I had chosen a type of sound I wanted to delve deeper into and from whose spectrum an individual tonal system that only had validity in this signal case derives (there are no quints, fourths or octaves, but merely intervals from the specific spectrum of the chosen type).
The next step was to record different articulations of each tone stage of this tone system – a work done with a tape measure and a pharmacist’s scale, because the preparations had to be exactly altered each time in weight and position.
Out of this material I subsequently created the actual composition – all in the sense of a conventional string trio, only that the final result is not necessarily played, but is mounted in several hundred steps onto tape. One could say a transference of the genre “stroke trio” into the electroacoustic medium. And that is how this piece should also be performed: with the three loudspeakers (full range, please!) like three instrumentalists, lined up frontally in a row.

 

Günther Rabl Werke 3Günther Rabl
Werke 3 1979 - 82

Atem
Trio I
Etude in Grau

 

deutsch

 

Auf der Suche nach den Klängen meiner Vorstellung, entdeckte ich Mitte der Siebzigerjahre in einem alten Akustiklehrbuch eine Methode zur Präparation von Saiten, mit der sich gezielt unharmonische Spektren erzeugen lassen: Man nimmt einen weichen Draht (am Besten ein Stück Lötzinn), wickelt ihn an einer bestimmten Stelle um die Saite und zurrt ihn fest. Gezupft oder geschlagen resultieren Klänge, wie wir sie zum Teil von Klavier-Präparationen her kennen. Mit dem Bogen gestrichen sieht die Sache allerdings anders aus. Das kreischt und kratzt und knurrt und quäkt - in vielen verschiedenen Schwingungsmodi, die gerne umspringen, sodass es volle Konzentration verlangt, einen Schwingungsmodus auch nur einen Bogenstrich lang durchzuhalten. Klanglich ähnelt das am ehsten den sogenannten 'multiphonics' der Blasinstrumente.
In der Folge beschäftigte ich mich auf zweierlei Art mit der entdeckten Klangwelt. Zum einen lernte ich am Kontrabass damit umzugehen und macht bei den verschiedenen Konzerten auch ausführlich davon Gebrauch. Zum anderen studierte ich die Gesetzmässigkeiten der spektralen Veränderungen, um sie systematisch nützen zu können und entwickelte auch eine Näherungsformel für die Veränderung der Teiltöne durch eine solche punkuelle Präparation.

Im Zuge dieser Arbeit ist die serielle Komposition TRIO I entstanden. Ich hatte mir einen Klangtypus ausgesucht, mit dem ich mich weiter beschäftigen wollte, und von dessen Spektrum ein eigenes Tonsystem abgeleitet, das nur für diesen einen Fall Gültigkeit hat. (Da gibt es keine Quinten, Quarten oder Oktaven, sondern nur Intervalle aus dem eigentümlichen Spektrum des gewählten Typus).
Der nächste Schritt war, von jeder Tonstufe dieses Tonsystems verschiedene Artikulationen aufzunehmen - eine Arbeit mit Zentimetermass und Apothekerwaage, denn die Präparation musste jedesmal in Position und Gewicht exakt verändert werden.
Aus diesem Material gestaltete ich schliesslich die eigentliche Komposition - ganz im Sinne eines konventionellen Streich-Trios, nur, dass das Endergebnis nicht unmittelbar gespielt ist, sondern mit einigen hundert Schnitten auf Band montiert. Man könnte sagen, eine Übertragung der Gattung 'Strichtrio' ins elektroakustische Medium. Und so soll das Stück auch aufgeführt werden: mit den drei Lautsprechern (fullrange bitte !), wie drei Instrumentalisten, frontal in einer Reihe.

 

Günther Rabl Werke 3Günther Rabl
Werke 3 1979 - 82

Atem
Trio I
Etude in Grau

 

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